Im Stromwärts vom Mai 2025 wurde das Projekt Teilersatz Reservoirleitung erstmals vorgestellt. Der Neubau der Trinkwasser-Transportleitung wird in zwei Etappen ausgeführt. Abbildung 1 zeigt die Linienführung und die Etappierung. Zum heutigen Zeitpunkt sind die Arbeiten der ersten Etappe grossmehrheitlich abgeschlossen. In diesem Bericht wird der Baufortschritt, die angetroffenen Schwierigkeiten aber auch die Arbeiten, die für so eine Leitung notwendig sind, ausgeführt.
Anfang Oktober 2025 konnte der sogenannte Installationsplatz für die Firmen für den Tiefbau und den Rohrleitungsbau erstellt und eingerichtet werden. Dort werden während der Bauzeit die benötigten Maschinen, Geräte und Bürowagen abgestellt. Für die Zwischenlagerung der Rohrleitungselemente mussten zusätzlich drei weitere Lagerplätze entlang der geplanten Leitungsstrecke eingerichtet werden. Dies war aufgrund des schönen und trockenen Herbstwetters bereits ab Mitte Oktober zusammen mit dem Erstellen der Baupiste möglich. Die eigentlichen Grabarbeiten starteten unmittelbar danach in Abschnitten beginnend ab dem Waldweg Scheibenstrasse in Richtung Waldhofstrasse/Eichhof.
Die Abbildungen 2 und 3 zeigen die typische V-förmige Baugrube mit einer Sohlentiefe von rund zwei Metern.

Abb. 2 Offener Graben mit Sohle und Schweissnischen, daneben die Baupiste für die schweren Fahrzeuge.

Abb. 3 Die ersten Meter Rohre sind geschweisst und werden eingedeckt. Im Vordergrund bereitet sich der Schweisser auf die nächste Schweissung vor.
Als Trinkwasser-Leitung werden Stahlrohre mit einem Durchmesser von 600 mm verwendet. Diese Rohre sind aussen mit einer Kunststoff- und Zementschicht sowie innen mit einer für Trinkwassernutzung geeigneten Zementschicht versehen. Diese Beschichtungen erhöhen die Korrosionsbeständigkeit der Rohre und damit die Nutzungsdauer erheblich. Zusätzlich wird die gesamte Leitungsstrecke kathodisch geschützt. Das heisst, dass an den Stahlkern der Leitung eine Gleichspannung angelegt wird und bei einer allfälligen Verletzung der Leitungshülle nicht der Stahlkern «rostet», sondern eine sogenannte «Opferanode» aus einem elektrisch minderwertigen Material (meist Magnesium, Zink oder Aluminium) abgebaut wird. Diese Technik wird verwendet, um die Leitung vor Durchrostung und Leckagen zu schützen.
Die einzelnen Rohre sind an einem Ende so aufgeweitet, dass sie über das Gegenstück des nächsten Rohres aufgeschoben werden können. In diesem Bereich wurde die Beschichtung werkseitig nicht erstellt, sodass die beiden Stahlrohre fest miteinander verschweisst und anschliessend auf der Baustelle mit Zement beschichtet werden können. Dieses System nennt sich Einsteckschweissmuffe und gewährleistet eine mechanisch feste und elektrisch leitende Verbindung über die gesamte Leitungslänge.
Der Leitungsbau schritt zügig voran, bis ab Mitte November die trockene Witterung durch wechselhaftes Wetter abgelöst wurde. Die Arbeiten mussten zum Schutz des Kulturlandes immer wieder für längere Phasen unterbrochen werden. Das Bearbeiten (Abtragen und Einbringen) insbesondere der wertvollen Humusschicht in nassem Zustand wäre der Fruchtbarkeit des Bodens nicht zuträglich. Die weitere Bearbeitung durfte erst nach einer ausgewiesenen Trockenphase von fünf Tagen in Folge ohne Niederschlag oder Nebel weitergeführt werden. Insgesamt konnten bis Ende 2025 so rund 800 Meter Leitung von gesamthaft 950 Meter der ersten Etappe verlegt und verschweisst werden.
Anfang 2026 startete mit der Unterquerung der Amriswilerstrasse eine aufwendigere Arbeitsphase, da neben Verlegearbeiten unter Verkehr auch noch ein Anschluss an das bestehende Trinkwasserverteilnetz erstellt werden musste (s. Abbildung 4). Bis Ende Januar konnte nach der erfolgreichen Querung der Amriswilerstrasse auch der Leitungsbau bis zum Anschlusspunkt an die bestehende Reservoirleitung fertiggestellt werden (s. Abbildung 5). Seit Februar laufen nun die Abschlussarbeiten entlang des Leitungsverlaufs (Abschluss Eindecken, Ansaat) und die Fertigstellung eines Klappenschachtes im Bereich der Scheibenstrasse. Diese Klappen erfüllen als Absperr- und Entlüftungselemente betriebliche Zwecke. Mit Abschluss dieser Arbeiten, die noch andauern, wird die erste Etappe fertiggestellt.

Abb. 4 Anschluss an das Verteilnetz (PE250-Leitung) mit Blick Richtung Unterquerung Amriswilerstrasse.

Abb. 5 Leitungsgraben südlich der Amriswilerstrasse
Die Realisierung der zweiten Etappe ab Eichhof bis zur Kreuzlingerstrasse wird voraussichtlich im August 2026 starten können und wird im optimalen Fall bis Ende 2026 fertiggestellt werden können. Dies ist aber wie bereits bei der Realisierung der ersten Etappe stark von den Witterungsbedingungen abhängig. Final, nachdem das gesamte neue Leitungsstück beidseitig an die bestehende Transportleitung angeschlossen sein wird, erfolgt eine Druckprüfung, um die Dichtheit zu bestätigen. Abschliessend wird der gesamte neue Leitungsabschnitt mit einer Desinfektionslösung auf Wasserstoffperoxid-Basis desinfiziert. Wird anschliessend die hygienische Sauberkeit des Wassers labortechnisch bestätigt, kann die neue Leitung dem Betrieb übergeben und die Faserzementleitung aus dem Jahr 1965 vom Netz genommen werden.

Abb. 6 Leitungsende beim Anschlusspunkt an die bestehende DN400-Reservoirleitung
